Neuer Volvo XC 90 ist da

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Von Frank Martini

Kaum auf dem Markt, will ihn jeder haben – die zweite Generation des Schweden-SUV. Fast 30.000 Bestellungen weltweit hat Volvo für den neuen XC 90 bereits in den Büchern.

Im schwedischen Torslanda produziert man inzwischen in einer dritten Schicht, kaum dass die Auslieferung des Neuen angelaufen ist. Und das dürfte nicht allein auf das Topmodell ‚Excellence‘ zurückzuführen sein, das die Schweden erst Ende April in Shanghai vorgestellt hatten. Der neue XC 90 ist für die skandinavische Traditionsmarke in chinesischer Hand der Vorreiter einer neuen Modellgeneration, bei der alle Modelle auf eine gemeinsame skalierbare Produktarchitektur mit dem Kürzel SCA setzen.

Auch sonst weist das neue SUV ungewöhnliche Maßstäbe auf. Dem Format und seinen Qualitäten nach spielt er eindeutig in der Liga der Fullsize-SUV, in der Sechszylinder zum guten Ton gehören und der Sound mitunter auch von noch zwei Pötten mehr bestimmt wird. Anders dagegen der XC 90 – in ihm laufen, ob Benziner oder Diesel, ausschließlich Zweiliter-Vierzylindermotoren. Zwar mögen die Modellbezeichnungen T6 AWD für den Benziner, D5 AWD für den Diesel oder gar T8 Twin Engine anderes suggerieren, doch es sind stets Vierzylinder. Die im Plugin-Hybrid, dem mehr als 76.000 Euro teuren Spitzenmodell, eben noch durch 80 elektrische Pferdchen an der Hinterachse ergänzt werden. 400 PS kommen so in der Summe zustande. Doch auch beim ‚einfachen‘ Benziner oder Diesel kann man über mangelnde Leistung kaum klagen. Zieht man die 80 E-Pferde der Twin Engine ab, bleiben vom Benziner allein immer noch satte 320 PS übrig, der Diesel bringt es immerhin auf 225 PS, was für Sprints aus dem Stand auf 100 km/h in weniger als acht Sekunden immer noch ausreicht. Das schönste aber: Während andere zunehmend ‚rundlutschen‘, können die Schweden dem Eckigen unverminderten Charme abgewinnen!

Ecken und Kanten - angenehmer Preis für hohen Nutzwert und gute Rundumsicht. (Foto: ampnet/Volvo)

Ecken und Kanten – angenehmer Preis für hohen Nutzwert und gute Rundumsicht. (Foto: ampnet/Volvo)

Eine senkrecht stehende Front sowie die kaum geneigte Heckklappe mit großen Fenstern hinter der C-Säule verheißen bei fast fünf Metern Fahrzeuglänge nicht nur eine exzellente Rundumsicht, sondern auch eine sehr ordentliche Platzausbeute für den Innenraum. Zumal im Heck keinerlei Federdome den Laderaum beeinträchtigen – so bleiben selbst in der siebensitzigen Variante hinter der dritten Sitzreihe noch 340 Liter Gepäckraum. Davor soll man bis zu einer Körperlänge von 1,70 Metern mit ausreichender Kopffreiheit immer noch bequem reisen können. Dabei kommt der Wagen selbst nicht einmal ganz auf 1,80 Meter Höhe, in der Breite sind es – bereits ohne die Außenspiegel – satte zwei Meter.

Bullige Eleganz: Die Schwedensänfte der zweiten Generation im XXL-Format. (Foto: ampnet/Volvo)

Bullige Eleganz: Die Schwedensänfte der zweiten Generation im XXL-Format. (Foto: ampnet/Volvo)

Ähnlich wie Audi mit dem neuen Q7 zeigen die Schweden damit, dass Eleganz nicht zwingend Spitznamen wie ‚rund und schräg‘ haben muss, sondern durchaus wuchtig daher kommen kann. Für eine nutzwertige Platzausbeute ist das jedenfalls zu begrüßen. Und auch, wenn sich die Skandinavier bei der Motorisierung im Vergleich zu den Ingolstädtern als zurückhaltend präsentieren, wird man über die Fahrleistungen kaum mäkeln können. Die Benziner bringen es auf ein Drehmoment von 400 Newtonmetern, beim Diesel sind es gar 470 Nm, was neben ordentlichem Durchzug auch für Spitzengeschwindigkeiten von 230 bzw. 220 km/h (Diesel) ausreicht. Der Selbstzünder kommt – wohl wegen seiner größeren Kraft aus dem Keller – mit einem Sechsgang-Automaten aus, beim Benziner und Hybrid sind es zwei Schaltstufen mehr.

Hohe Bodenfreiheit, große Böschungswinkel - der XC 90 scheint nicht nur gut für die Straße. (Foto: ampnet/Volvo)

Hohe Bodenfreiheit, große Böschungswinkel – der XC 90 scheint nicht nur gut für die Straße. (Foto: ampnet/Volvo)

Zwar gibt es für keine Variante eine Untersetzung, optional steht aber eine Drive-Mode genannte Anpassung mit einem Offroad-Modus zur Verfügung. Die ist an eine ebenfalls optionale Luftfederung gekoppelt, die auch für den Komfort eine Menge hermachen dürfte, für’s Revier aber nicht einmal zwingend erscheint. Denn selbst mit den serienmäßigen Stahlfedern bringt es der XC 90 bereits auf eine Bodenfreiheit von satten 238 Millimetern, die die Luftfederung im Offroad-Modus noch einmal um 29 Millimeter vergrößert. Aber selbst bei knappen drei Metern Radstand sind die stahlgefederten fast 24 cm schon mal eine ordentliche Ansage. Das gilt übrigens auch für die Preise. Den günstigsten Einstieg findet man erfreulicherweise und wiederum analog zum großen Audi beim Selbstzünder. Nur, dass der Schwede in der ersten von vier Ausstattungslinien, genannt Kinetic, bereits bei 53.400 Euro anfängt. Für den Benziner sind gleich satte 4.300 Euro mehr fällig, und den Plugin bietet man vorsichtshalber erst in der nächsthöheren Ausbaustufe Momentum an. Satte 76.160 Euro lautet hier der Preis für political correctness. Der Diesel bleibt selbst in der obersten Ausstattungslinie Inscription, die kaum noch Wünsche offen lässt, unter 65.000, beim Benziner unter 69.000 Euro, nur der Plugin kommt den 80.000 Euro hier gefährlich nahe.

Bereits in der Basis sehr ordentlich - die Ausstattung des neuen XC 90. (Foto: ampnet/Volvo)

Bereits in der Basis sehr ordentlich – die Ausstattung des neuen XC 90. (Foto: ampnet/Volvo)

Aber hinsichtlich der Ausstattung, insbesondere in Sachen Fahrsicherheit, waren die Skandinavier noch nie geizig. So ist bspw. das Feature City Safety, dass über ein vollautomatisches Notbremsprogramm bei Geschwindigkeitsunterschieden bis zu 50 km/h Unfälle ganz vermeiden und bei höheren Fahrtdifferenzen die Folgen immer noch deutlich mindern kann, bereits im Kinetic Serie. Aber klar, dass es bei aller Top-Serienausstattung in allen vier Ausstattungslinien immer noch nette Zusatzpakete gibt. Angefangen von 1.500 Euro, die im Kinetic für ein Business-Paket mit 12,3″ großem Touchscreen-Display inklusive Navigationssystem zu Buche schlagen, bis zu…Ende offen – Schweden sind ja auch nicht doof. Aber sie scheinen auch unter chinesischer Führung von Geli zumindest redliche europäische Autobau-Traditionalisten geblieben zu sein. Angesichts des neuen XC 90 muss man jedenfalls sagen: Ein Ausflug zum nächsten Volvo-Händler ist in diesen Tagen gewiss ein lohnendes Unterfangen, bei dem sich etliche Aha-Effekte und angenehme Überraschungen einstellen dürften. Wer sich dazu vorab mit den Ausstattungsvarianten, Preisen und technischen Daten näher befassen will, findet hier mehr.

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