Renault Kadjar kommt in den Handel

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Von Frank Martini

Am 12. Juni ist es soweit – dann wird Renaults neues SUV in Deutschland verfügbar sein. Jagdauto.net hat ihn sich bei der Pressepräsentation in Spanien genauer angesehen.

Ende der Woche ist es soweit, dann kommt der neue Renault Kadjar zu den deutschen Händlern. Das in sehr modernen, geschwungenen Linien gestylte SUV teilt sich eine Plattform mit seinem Konzernbruder Nissan Qashqai, ist aber – zumindest seit des den Qashqai in der längeren Tekna-Version nicht mehr gibt – mit knapp viereinhalb Metern größer und bietet ein besseres Raumangebot. Auch Ausstattung und Preise können sich sehen lassen. Vielversprechend ist auch die Bodenfreiheit und die Berganfahrhilfe.

 

Schade, dass es den Franzosen da nur in zwei Varianten als Allrader gibt. Denn nur in den beiden oberen von insgesamt vier Ausstattungslinien wird der Kadjar in Verbindung mit dem 130-PS-Diesel auch als Allrader angeboten.

Der Preis für die XMOD genannte Ausstattungsvariante wird bei 29.890 €uro liegen, bereits bei 24.590 €uro beginnen die Preise des XMOD mit dem gleich starken 1200er-Benzinermotor. Er bildet auch die Basis für das Einstiegsmodell, das in der Ausstattungslinie ‚Life‘ bereits für 19.900 €uro zu haben ist. Allerdings bietet für die reinen Fronttriebler erst die XMOD-Ausstattung eine ‚Extended Grip‘ genannte Antriebssteuerung, die mit über die ABS-Sensoren gesteuerten Bremseingriffen einem Durchdrehen der Räder entgegenwirken und so für bessere Traktion sorgen soll – wohl so eine Art elektronische Differenzialsperre.

Natürlich stand bei der Pressepräsentation auch diese Motorisierung zur Verfügung. Wer mit Blick auf den Kadjar primär eine stylische Familienkutsche sucht, mit der er sich Dank der hohen Bodenfreiheit auch im Revier bewegen kann, sollte sich aber überlegen, ob es unbedingt der ökonomische kleine Benziner sein muss. Denn das 1200er Motörchen wirkte Dank seiner 130 PS im Straßenbetrieb zwar recht agil, will aber am Gas gehalten werden. Unter 3.000 Touren jedenfalls reagierte der Wagen auf spontane Leistungsanforderungen eher etwas träge. Kein Wunder, liegt das maximale Drehmoment bei Benzinern im Vergleich zu Selbstzündern immer erst bei deutlich höheren Drehzahlen an. Bei dem TCe getauften Benziner liegen bei 2.000 Umdrehungen 205 Nm an. Bei den Dieselaggregaten mit dem Kürzel dCi dagegen, die als 1500er mit 110 PS und als 1600er mit 130 PS angeboten werden, liegen die Spitzendrehmomente jeweils bereits bei 1.750 Kurbelwellenrunden an. Schon der kleinere Diesel, den es in der XMOD-Ausstattung für 26.190 €uro gibt, bringt es auf 260 Newtonmeter, spannend wird es allerdings dann bei den 320 Nm des 1600er Selbstzünders. Nur mit ‚Extended Grip‘, also als reiner Fronttriebler, wird der für 27.890 €uro angeboten – mithin resultiert ein Aufpreis für den Allradstrang bei moderaten 2.000 €uro.

Stylischer SUV mit Platz und Bodenfreiheit, aber nicht immer mit Allrad (Foto: Renault)

Stylischer SUV mit Platz und Bodenfreiheit, aber nicht immer mit Allrad (Foto: Renault)

Oberhalb des XMOD schließlich gibt es noch die Top-Version ‚Bose-Edition‘, die neben einem gleichnamigen Spitzensound dann über so ziemlich alles verfügt, was die Franzosen so an Extras in das Auto hineinzustopfen wussten. Der Preis mit dem 1600er Diesel, der Allrad-Version also, liegt hier in der Spitze bei 33.490 €uro. Damit ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Angesichts der Größe, der Kadjar positioniert sich als Wettbewerber neben dem VW Tiguan, und vor allem der Ausstattung sicher vertretbar. Da diese Ausstattungslinie aber vor allem auf Auftritte auf dem Boulevard abzielt, dürfte für den kombinierten Einsatz als Alltagsauto und Revierfahrzeug wohl am ehesten der XMOD-Allrad in Frage kommen, der hinsichtlich des Preises knapp unterhalb von 30.000 €uro für diese Einsatzzwecke kein schlechtes Angebot darstellt.

Überhaupt: Mit einer ordentlichen Ausstattungsliste haben die Franzosen bereits beim Einstiegsmodell Life nicht gegeizt, und packen bei jeder Stufe noch ordentlich was drauf. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten haben die Franzosen sich wieder als Experten im Sparsamfahren gezeigt. Alle Motorisierungen erfüllen die EURO-6-Abgasnorm und werden mit Kombiverbräuchen zwischen 3,8 (110-PS-Diesel) und 5,6 Litern (130-PS-Benziner) angegeben, der 130-PS-Diesel soll im Schnitt mit 4,3 Litern zufrieden sein. Klar, dass die nach standardisiertem Verfahren ermittelten Verbräuche mit der Wirklichkeit nie viel gemein haben, aber grobe Aussreißer sollten nach unserer Erfahrung auch nicht drohen. Im gemütlichen Überlandbetrieb mit maximal 120 km/h wies der Bordcomputer des frontgetriebenen Benziners um die 3,1 Liter aus, den Allrader mit der stärksten Dieselmaschine konnten wir hier mit ähnlichen Werten bewegen, haben seine Verbrauchsanzeige aber selbst bei sportlicherer Fahrweise und abseits befestigter Straßen nie über die 7,1-Liter-Marke gebracht.

Bekannte Antriebssteuerung: reiner Frontantrieb, automatisch gesteuerte Verteilung oder aber starre 50:50-Kraftverteilung bis 40 km/h (Foto: Renault)

Bekannte Antriebssteuerung: reiner Frontantrieb, automatisch gesteuerte Verteilung oder aber starre 50:50-Kraftverteilung bis 40 km/h (Foto: Renault)

Antriebsseitig verfügt der Allrader über eine Mehrlenker-Hinterachse, der die recht langen Federwege auch bei den Fronttrieblern ergänzt – letztere haben auch hinten die klassische McPherson-Radaufhängung wie vorn. Beim Allrad fällt die Auswahl der Antriebsanpassung noch leicht – hier gibt es den einfachen bereits aus vielen anderen SUV bekannten Drehschalter, mit dem zwischen reinem Frontantrieb, automatisch gesteuerter variabler Kraftverteilung zwischen beiden Achsen und einem starren 50:50-Modus, der sich bis Tempo 40 wirksam anwählen lässt, gewählt werden kann. Vorsicht ist indes im Umgang mit dem Wahlschalter bei den frontgetriebenen ‚Extended Grip‘-Varianten geboten. Wer aus dem mit den o. g. elektronisch gesteuerten Bremseingriffen kombinierten ‚Expert-Modus‘ auf ‚Gelände‘ umschaltet, kassiert die Bremseingriffe! Während der ‚Expert-Modus‘ auf sichere Traktion auf winterlichen Fahrbahnen angelegt ist, soll der Geländemodus dem Fun-Faktor dienen und in tiefem Schnee oder Sand ein Durchdrehen der Räder eben ermöglichen.

Ohnehin geht man bei Renault davon aus, ein Viertel aller hierzulande bestellten Kadjar mit dem Allradantrieb auszuliefern, bei 75 Prozent der deutschen Kunden erwartet man dagegen die Wahl eines Kompakt-SUV erfolge eher unter Lifestyle-Gesichtspunkten. Hinsichtlich der Preisdifferenz zwischen den Allradern und Fronttrieblern und dem günstigen Einstiegpreis der Life-Modelle vielleicht keine ganz blöde Strategie. Und wer im Revier weniger mit Traktionsproblemen und mehr mit tiefen Wegfurten zu tun hat, könnte angesichts der bei allen Modellen vorhandenen Bodenfreiheit von 20 Zentimetern durchaus mit einem günstigen Fronttriebler liebäugeln. Die verbindet mit den Allradern ein weiteres Plus, wenn es mal eng wird – mit 10,7 Metern Wendekreis ist der Kadjar ausgesprochen manövrierfähig, seine Wettbewerber wie etwa der VW Tiguan oder der BMW X1 benötigen jedenfalls einen ganzen Meter mehr.

Für moderates Gelände und nicht als Koleos-Nachfolger gedacht - der Renault-Kadjar. (Foto: Renault)

Für moderates Gelände und nicht als Koleos-Nachfolger gedacht – der Renault-Kadjar. (Foto: Renault)

Vom Komfort, der Ausstattung sowie vor allem dem Platzangebot und vielen praktischen Features wie etwa einem 70 Liter fassenden variablen Unterflur-Abteil unter dem Laderaumboden, in dem sich bspw. verdreckte Stiefel ohne Ungemach transportieren oder jagdliches Gerödel verstecken lässt, hinterließ der Kadjar den Eindruck hoher Praxistauglichkeit. Dazu gehört auch ein Laderaumvolumen von fast 1.500 Litern bei umgeklappter Rückbank, die in dieser Fahrzeugklasse keine Selbstverständlichkeit sind. Hinsichtlich des Preis-Leistungsverhältnisses jedenfalls scheint es lohnend, sich bei einer anstehenden Neuanschaffung auch den Kadjar mal anzusehen. Die technischen Daten mit allen Motorvarianten sowie die offizielle Preisliste für Interessenten hier jedenfalls schon mal zum Herunterladen.

Wer übrigens schon mal mit dem etwas größeren Renault Koleos geliebäugelt hat, muss sich gedulden. Denn der auf absehbare Zeit bei uns nicht mehr verfügbar. Darauf angesprochen beteuerten die Franzosen indes, der Kadjar sei nicht als Nachfolger des Koleos gedacht – nur die EURO-6-Abgasnorm, die in Deutschland vom 01. September an für Neufahrzeuge gilt, könne man mit dem Koleos momentan nicht einhalten, man arbeite aber daran…

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