Land Rover vs. Google?

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Von Frank Martini

‚Driverless car‘, Googles fahrerloses Auto, soll automobile Zukunft sein. Das andere Entwicklungen näher an der Wirklichkeit sind, zeigt der britische Offroad-Hersteller.

Entlastung des Menschen durch zunehmende Automatisierung auch im Verkehr – was in der Luftfahrt längst zu hitzigen Sicherheitsdiskussionen geführt hat, hat in Googles ‚driverless car‘ nun auch die Automobilität erreicht. Immerhin elf Unfälle, allesamt ohne Personenschaden, sind mit den Testfahrzeugen inzwischen dokumentiert. Doch abseits von Misstrauen: Fragen wir doch mal nach der Leidenschaft! Wollen autoaffine Menschen sich überhaupt vollautomatisch durch die Gegend schaukeln lassen?

Offroad ohne Fahrer. (Foto: ampnet/Land Rover)

Und damit verbundene Einschränkungen ihrer Eingriffsbereitschaft und -möglichkeit ins Verkehrsgeschehen in Kauf nehmen? Ich glaube kaum. Wobei auch klar ist – Unsicherheit trachtet nach Kontrolle. Wer schon mal echten Einparkprofis zugeschaut und die dabei in ein deutlich kleineres Auto gewünscht hat, weiß wovon die Rede ist. Und dass diese perfekten Abmessungseinschätzer leider nicht die Ausnahme sind, denn auf solche reagieren Technikentwickler nicht unbedingt. Dass sie aber reagiert haben, zeigen Einparksensoren und Rückfahrkameras, die ausstattungsmäßig längst zum guten Ton gehören.

Den Situationen, in denen dem heiligen Blechle ernstere umweltbedingte Deformationen drohen, haben englische Autoentwickler längst Rechnung getragen. Man denke an Fahrwerksdarstellungen mit Bildern von Geländekameras rundum in besser ausgestatteten Land- und Range Rover- Modellen bspw. oder gar die Handkamera mit Funkanbindung im Handschuhfach zur sicheren Kontrolle schwer einsehbarer Positionen, die ich schon vor vier Jahren in einem Testbericht im RWJ über den RR TDV 8 positiv herausgestellt hatte. Und das Prinzip verfolgten die Briten schon mit ihrem ‚Terrain response‘: Auch jenen, die keinerlei Dunst haben, was Sperren sind und welche fahrphysikalischen Eigenheiten sie je nach Einsatz an Vorder- oder Hinterachsdifferential oder der Mitte zwischen beiden ihr zuschalten nach sich zieht, eine sichere und souveräne Fortbewegung selbst in schwerem Gelände schadfrei zu ermöglichen. Wie exzellent das funktioniert, wird niemand bestreiten, der je eines der Terrain-Response-Fahrzeuge durch kritische Situationen manövriert hat.

Lenken und mehr über das Smartphone als Fernsteuerung. (Foto: ampnet/Land Rover)

Dass man vor solchen Passagen erst mal aussteigt und das Gelände zu Fuß sondiert, gilt ernstzunehmenden Offroadfahrern als eherne Regel. Wenn man danach nur nicht wieder einsteigen müsste, um weiter zu fahren!  Stattdessen von außen kontrollieren könnte, ob’s wirklich ‚passt‘! Wo Land Rover bislang mit zahllos verbauten Rundumkameras versuchte, diesem Wunsch möglichst weitgehend Rechnung zu tragen, geht man nun zum nächsten Schritt über, wenngleich momentan ’nur‘ in einem Forschungsfahrzeug. Das lässt sich mit einer App, die das Smartphone mit dem Fahrzeug verbindet und dessen Bedienelemente aufs externe Display bringt, durch schwierige Passagen fernsteuern.

Der Schritt mag im Vergleich zu den Forschungsfahrzeugen Googles nach bescheiden ‚kleinen Brötchen‘ riechen, denen man Europäern im Vergleich zu ‚Think-big‘-Denkern amerikanischer Konzerne gern vorhält. Ich möchte jedenfalls wetten, dass die Briten das neue Feature Neuwagenkunden anbieten können, lange ehe das erste privat betriebene Googleauto auf europäischen Straßen rollt. Und ich bin mir sicher, dass die Briten mit ihrem vornehmen Hang zum Understatement solcherlei Neuigkeiten nie publizieren würden, stünde die Marktreife dieser Entwicklung noch ernstlich in Frage oder läge auch nur in allzu ferner Zukunft. Wenngleich ich persönlich solchem ‚Schnickenfittich für Fahrlegastheniker‘ erst mal distanziert gegenüberstehe, ist so das Feature mit Sicherheit näher an der automobilen Realität, als Googles ‚driverless car‘ es sind und vielleicht sogar je sein werden.

Nicht nur für Angsthasen - Land Rovers Neuentwicklung. (Foto: ampnet/Land Rover)
Nicht nur für Angsthasen – Land Rovers Neuentwicklung. (Foto: ampnet/Land Rover)

Denn auch wenn ich zu Amis grundsätzlich kein schlechteres Verhältnis habe, als zu Briten weiß ich – letztere nehmen das Maul nicht ganz so schnell so voll. Und um zur eingangs erwähnten Fliegerei zurückzukehren: So trefflich sich über ‚Fly by wire‘ streiten lässt, ist es eine Entwicklung der europäischen EADS (heute Airbus Group SE) – und nicht der amerikanischen Boing.

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