Audi: Neuer Q7 jetzt im Handel

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Von Frank Martini

Von sofort an lohnt sich für Offroad-Enthusiasten wieder der Weg zum Audi-Händler. Seit Anfang des Monats ist endlich die zweite Generation des Ingolstädter Flagschiffs Q7 verfügbar.

Mit einem Gewinn für den Einsatz im Revier, wie die technischen Daten nahelegen. Gute zwölf Jahre hat es gedauert, die seit der Vorstellung der seinerzeitigen Studie ‚Pikes Peak‘ bis zum Rollout der zweiten Q7-Generation vergangen sind. Zwei Jahre nach der Ankündigung kam 2005 der erste Audi Q7 auf den Markt – und wurde als ‚modische Protzkarre mit fragwürdiger Reviertauglichkeit‘ von vielen Jägern belächelt.

Sportlich? Gewiss, keine Frage! Aber auch offroadtauglich? (Foto: Audi)

Sportlich? Gewiss, keine Frage! Aber auch offroadtauglich? (Foto: Audi)

Protzig ist der neue Q7 noch immer. Aber ob er als Allrounder von Familienkutsche bis Revierarbeiter immer noch belächelt werden darf, muss man bezweifeln. Ganz abgesehen davon, dass auch der Modellzyklus von nunmehr einem Jahrzehnt eher auf solide Entwicklungsleistung denn schnelllebig-modernes Hyperventilieren der Modellpolitik schließen lässt.

Erinnern wir uns: Erstmals hatte Audi uns mit dem A6 Allroad unmittelbar nach der Jahrtausendwende in Verzückung versetzt, der ich seinerzeit in Wild und Hund gebührenden Ausdruck verlieh. Ein großzügiger Kombi mit höhenverstellbarer Luftfederung, einem agilen und durchzugsstarken 2,5-Liter-Diesel und – Achtung! – sogar einer zuschaltbaren Untersetzung; all das hatte mich unbesorgt ermutigt, den an der ‚Fensterkanzel‘ gefallenen Frischling jetzt nicht unbedingt den schlüpfrigen Hang zu Fuß herauf schleppen zu wollen. Was der Allroad problemlos mittrug. Dann kam ein zweiter Allroad, der bereits um die Untersetzung ‚rasiert‘ war sowie die anschließende Q-Baureihe. Die wir allesamt keines jagdlichen Blickes mehr würdigten. Ein Fehler? Kann sein, jedenfalls deuten es die Daten des nun neu aufgelegten Q7 schwer an.

Angeboten wird der Neue zunächst in zwei Motorvarianten: Einem 3.0-Liter-TDI sowie einem als TFSI bezeichneten Benziner gleichen Hubraums. Fraglos dürfte uns Nimrode der Selbstzünder stärker ansprechen, zumal – und hier kommt schon die erste Abweichung vom Marktüblichen – dieser mit 2.000 €uro weniger gelistet ist, als der mit 62.900 €uro veranschlagte Benziner. Der hat es mit 245kW/333PS, die ein Spitzendrehmoment von immerhin 400 Newtonmetern mobilisieren, schon faustdick hinter den Ohren. Der um 61 Pferdchen schwächere Diesel legt demgegenüber beim Drehmoment, entscheidende Größe für den ‚Bumms aus dem Drehzalhkeller‘, noch mal die Hälfte obendrauf! 600 Newtonmeter werfen allerdings die Frage auf, wo man denn unbedingt durch und vor allem hinauf möchte, dass es ohne eine Untersetzung partout nicht ginge. Für 60prozentige Steigungen, die Neigungswinkeln von immerhin knappen 30 Grad entsprechen, soll’s laut Hersteller jedenfalls reichen…

Was sogleich die Bodenfreiheit des Dickschiffs dem kritischen Blick des geländekundigen Auges unterwirft. Und hier kommt nun eine Option ins Spiel, für die Audi unter den Premium-Marken seit den Tagen seines legendären Allroad berühmt ist: Die optionale Luftfederung. Die nämlich verfügt über fünf verschiedene Einsatz- und Komfortstufen, die im ‚Lift-Mode‘ satte 245mm Bodenfreiheit hergeben! Das ist selbst für die knappen drei Meter Radstand schon mal ein ziemlich revierkompatibler Wert. Nun sind insbesondere die deutschen Premiumhersteller nicht gerade für Zurückhaltung bei den Aufpreislisten bekannt. Dem Klischee nach kriegt man von denen für den Basispreis eben in der Regel eine ‚Sparbüchse‘, die sich erst durch mindestens einen 50prozentigen Aufschlag zum echten Premiumfahrzeug adeln lässt. Und spätestens hier warten die Ingolstädter mit einer außerordentlich angenehmen zweiten Überraschung auf.

Voraussetzung für die Luftfederung: das optionale große Bordsystem MMI plus (Foto: Audi)

Voraussetzung für die Luftfederung: das optionale große Bordsystem MMI plus (Foto: Audi)

Für die Luftfederung ruft Audi mit 2.050 €uro brutto einen aus meiner Sicht außerordentlich moderaten Kurs auf! Allerdings muss das Ding irgendwie angesteuert werden, und hier schien der Blick in die Aufpreisliste auf einen Pferdefuß hinzudeuten. Die Luftfederung wird nämlich über das ‚große Navi‘ MMI plus gesteuert, das damit zur Voraussetzung für das air-suspension genannte System wird. Damit trennen die nächsten 2.800 €uro den neuen Q7 vom Reviereinsatz. Aber Moment – schaut mal auf das Bild oben! 2.800 €uro für ein ‚großes Navi‘ mit allem, was das heute bei Audi bedeutet? Wie ein detaillierter Blick in die Ausstattungserklärungen verdeutlicht, ist da natürlich der selbst sprachgesteuerte Zugriff auf das über die integrierte Bluetooth-Schnittstelle anzubindende Smartphone bereits ebenso enthalten, wie ein bordinternes WLAN für all dieejnigen, die eine LTE- oder UMTS-SIM-Karte in der Blende des Navidisplays versenken wollen. Von weiteren, hier kaum aufzählbaren Komfort- und Sicherheitsfeatures mal zu schweigen. Da scheinen die inklusive Luftfederung zusätzlich aufzuwendenden knappen 5.000 €uro nicht zu viel verlangt.

Endlich mal - ein moderner Kombi ohne 'Coupèheck'! (Foto: Audi)

Endlich mal – ein moderner Kombi ohne ‚Coupèheck‘! (Foto: Audi)

Grob überschlagen bleibt das Auto als TDI, das wie seine benzinbetriebene Alternative die Kraft über eine achtstufige Tiptronic aus dem Hause ZF auf den Boden bringt, immer noch unter der 66.000-€uro-Marke. Selbst wer nun aus revierpraktischen Erwägungen noch eine elektrisch ausfahrbare Anhängerkupplung – was das Zugvermögen von 3,5 Tonnen nahelegt – sowie eine Lederausstattung haben möchte, kommt an die 70.000 €uro noch nicht ganz heran. Berücksichtigt man nun noch die ohnehin üppige Serienausstattung, zu der u. a. ein vierspeichiges Multifunktionslenkrad, eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein Lichtautomat mit Licht-Regensensor sowie elektrisch verstell- und anklappbare Außenspiegel mit Bordsteinautomatik auf der Beifahrerseite und Xenon-Licht mit LED-Rückleuchten gehören, wird man sich vom Klischee ‚wenig Auto für viel Basispreis‘ wohl endgültig verabschieden müssen.

Wie auch ich meine bisherige Praxistest-Ignoranz gegenüber dem Q noch einmal kritisch werde überdenken müssen. Sollte mir als Markenfan der Ingolstädter aber nicht allzu schwer fallen. Mal sehen, was die so dazu sagen. Ob es angesichts all dessen jedenfalls Sinn macht, noch auf die angekündigte dritte, etwas schwächere Dieselvariante mit ’nur‘ 218 Pferdchen zu warten, die Audi nachschieben will, kann angesichts des sich bereits bei dem jetzigen Diesel andeutenden guten Preis-Leistungs-Verhältnisses dahinstehen. Denn dass der schwächere Diesel bei einem Leergewicht von guten zwei Tonnen den angegebenen Kombiverbrauch von 5,7 Litern je 100km mit der jetzt verfügbaren Variante noch nennenswert zu unterbieten vermag, ist kaum zu erwarten. Lediglich erfreuliche Erwartungen für den Geldbeutel könnten animieren, auf das Erscheinen des 218PS-Diesels zu warten. Denn wer sich mit den serienmäßigen stahlgefederten 210mm Bodenfreiheit gut genug bedient wähnt, dürfte ein echtes Allround-Premium-Fahrerlebnis dann schon unterhalb der 60.000-€uro-Marke realisieren können. Und spätestens da lohnt sich der Preis-Leistungs-Vergleich zu anderen Premium-Offroadern, um festzustellen: Audi meldet sich zur Jagd zurück.

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